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01.10.2010

Interview mit Bonns OB Jürgen Nimptsch…


Jürgen Nimptsch, Oberbürgermeister der Stadt Bonn

KABINETT: Ein Jahr Oberbürgermeister von Bonn: Jürgen Nimptsch –Gemeinsam stark für Bonn

Kabinett: Seit einem Jahr sind Sie Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn. Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit häuften sich die Probleme: World Conference Center (Bonner Kongresszentrum), neues Festspielhaus oder nicht, Kennedybrücke, Renovierung des Alten Rathauses, und immer wieder ging es um Geld, das nicht da war oder in unerklärliche Löcher verschwunden war, um den städtischen Haushalt, um Verträge, die nicht stimmten, um viele Rechtsfragen. Haben Sie sich so Ihnen Amtsantritt vorgestellt?
 
Nimptsch: Oberbürgermeister von Bonn zu sein, ist eine wunderbare Aufgabe, auch wenn sich einige Probleme als größer herausgestellt haben, als man das erwarten konnte.

K: Lösungen scheint es für das Bonner Kongresszentrum zu geben. Können Sie auch bei diesem Thema wieder aufatmen?

Nimptsch: Ich mache tatsächlich ehrgeizige Zeitvorgaben, das räume ich ein. Aber wenn ich mir vor Augen halte, dass Insolvenzverfahren in Deutschland  eine durchschnittliche Zeitdauer von mindestens vier Jahren haben, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als auf das Tempo zu drücken. Ich halte die Zielvorgabe aufrecht, dass wir 2011 das Konferenzzentrum in Betrieb nehmen.

K: Es gab ein immerwährendes Auf und Ab mit dem Stadtrat, den Fraktionen, mit der Bevölkerung. Wie haben Sie das eigentlich verkraften können?

Nimptsch: Am schönsten sind die Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Viele kommen auf mich zu und sagen: „Weiter so, Herr Oberbürgermeister, lassen Sie sich bloß nicht klein kriegen“. Was den Stadtrat angeht, so ist es eigentlich nur bei der Aufarbeitung der Vorgänge um das Konferenzzentrum bisweilen schwierig. 48 der derzeitigen Ratsmitglieder waren auch schon im vorigen Rat vertreten. Auch für sie gilt natürlich: Null-Verantwortung gibt es nicht.

K: Licht am Ende des Tunnels mit seinen vielen Turbulenzen gibt es bei der Renovierung des Alten Rathauses am Marktplatz, war das ein Grund für ein erstes Luftholen, wir denken da an den Förderverein?

Nimptsch: Das ist ein schönes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. Der Verein hat schon viel Geld zusammengebracht, und alles, was das Rathaus ziert, wird von ihm bezahlt, zum Beispiel die Rathausuhr und das Wappen und auch eine besondere Beleuchtung, die die Eleganz unseres Altes Rathauses künftig noch besser unterstreicht.

K: Positive Informationen machten die Runde von einem Geldgeber für ein neues Stadthaus.. Gibt es hier neue Lösungsansätze?

Nimptsch: Noch ist da nichts konkret. Der Stifter/Investor muss erst noch das Landesbehördenhaus, das er als neuen Standort der Stadtverwaltung vorgeschlagen hat, vom Land erwerben. Wir müssen auch den Nachweis erbringen, dass diese Lösung die wirtschaftliche für die Stadt ist. Denkbar ist ja zum Beispiel auch die Sanierung des Stadthauses. Das muss sehr sorgfältig berechnet werden, ehe wir der Politik einen Entscheidungsvorschlag vorlegen können. Es gibt ja auch noch Seiten-Aspekte zu beachten: Wenn die Stadtverwaltung aus der Innenstadt wegzieht, geht vielleicht die Kaufkraft von über 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilweise verloren. Der Bonner Einzelhandel sieht solche Überlegungen deshalb durchaus skeptisch.

K: Das Beethovenfest 2010 hat nach Renovierungsarbeiten in der Beethovenhalle wieder einen großen Erfolg gefeiert. Glauben Sie, dass unser Ludwig von da oben seine Finger dabei für seine Heimatstadt im Spiel hat? Und was wird mit dem Projekt Festspielhaus?

Nimptsch: Die Musik „unseres Ludwig“ wirkt zweifellos in jeder Hinsicht beflügelnd, und ich freue mich zu beobachten, wie die Festival-Idee Jahr für Jahr breitere Kreise erreicht. Bayreuth und Salzburg haben ja auch ein paar Jahrzehnte gebraucht, um ihren heutigen Ruf zu bekommen. Fest im Auge haben wir dabei den 200. Todestag Beethovens im Jahr 2020. Bis dahin sollte das neue Festspielhaus stehen.

K: Die Fertigstellung der Kennedybrücke macht immer noch Sorgen. Sind Sie trotzdem zuversichtlich auch hier einen „richtigen Weg über den Rhein“ zu finden und wann?

Nimptsch: In der Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmer (ARGE), an die die Sanierung und Verbreiterung der Kennedybrücke vergeben wurde, gibt es leider nicht bei allen ARGE-Partnern das Bestreben, die Brücke zeitgerecht fertigzustellen. Eine Firma schickt zum Beispiel aus unserer Sicht zu wenig Personal, um die letzten Arbeiten rasch zu beenden. Von einer Kündigung des Vertrages wurde bisher abgesehen, da dies für andere Nachteile mit sich bringen würde.

K: Beim Immobilienmarkt in Cannes an der Côte d’Azur und in Shanghai bei der Weltausstellung haben Sie die Stadt Bonn als Bundesstadt und Internationale Stadt noch weiter bekannt gemacht. Sehen Sie hier weitere Lösungsansätze auch im Blick auf die steigende Bevölkerungszahl und weitere Arbeitsplätze?

Nimptsch: Es macht schon Freude, Bonn als wachsende Stadt darstellen zu können, deren Potenziale viele immer noch unterschätzen. Auf den Messen erleben wir, dass wir Interesse wecken können. Das gilt besonders, wenn wir ein so spektakuläres Bauwerk präsentieren können wie es in diesem Jahr mit dem Kameha Grand Hotel der Fall war, das ja inzwischen schon mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet wurde. Oder nehmen Sie auch die Vereinten Nationen: Die 18 hier ansässigen Sekretariate wachsen, ganz besonders das Klimasekretariat. Das sogenannte Alte Abgeordnetenhochhaus wird zurzeit als neues Domizil hergerichtet, und zwar als bauökologisches Modellprojekt. Schnell war klar, dass die Räume nicht reichen werden, und im September hat Bundesumweltminister Röttgen mitgeteilt, dass die Bundesregierung nun neben dem „Langen Eugen“, dem UN Tower, ein zusätzliches Gebäude errichten wird. Der UN Campus wächst also weiter.

K: Sie haben sich mit Ihren Kollegen, den Bürgermeistern der Rheinstrecke von Düsseldorf über Köln bis Koblenz zusammengetan und die „längste Museumsmeile Europas“ aus der Taufe gehoben. Macht eine solche Entwicklung Mut für mehr?

Nimptsch: Unbedingt! Wir haben zwischen Düsseldorf und Koblenz mit 100 Museen die längste Museumsmeile Europas. Da liegt es nahe, den Ticket-Verkauf miteinander zu verbinden: Ich kaufe in Bonn ein Ticket und bekomme ein Verbundticket für weitere Häuser angeboten. Vielleicht können wir das auch mit einer Fahrkarte für eine Schiffstour oder die Bahn kombinieren. Damit wollen wir am Rhein starten, und vielleicht eines Tages das Angebot auch in Benelux und darüber hinaus anbieten.

K: Man hat in jüngster Zeit den Eindruck, dass Sie das Bonner Parkett, das zu Beginn Ihrer Amtzeit doch ein ziemlich unsicherer Boden war, jetzt selbstbewusster und hoffnungsvoller betreten. Trotz aller Probleme, die von allen Seiten auf Sie einstürzten, haben Sie nie die Nerven verloren. Man bemerkte, dass Sie immer mehr die Schultern strafften, um noch mehr „schultern“ zu können. Ist dieser Eindruck richtig?

Nimptsch: Diese Stadt hat ein enormes Potenzial, das weckt auch bei mir alle Kräfte. Ich erlebe viel Zustimmung und viel eigenes Engagement bei den Bonnerinnen und Bonnern. Gemeinsam sind wir stark für unsere Stadt.

K: Können Sie sagen, dass jetzt die Zeiten lichter werden und der Optimismus für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger und natürlich für Sie als Oberbürgermeister zunimmt?

Nimptsch: Die Zahlen sind gut, und ich glaube, die Bonnerinnen und Bonner wissen auch, dass sie in Bonn in einer privilegierten Stadt leben, selbst wenn es immer mal das eine oder andere zu bemängeln gibt. Bonn ist lebens- und liebenswert, dieses Gefühl eint die Bürgerinnen und Bürger.

Mit dem Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch sprachen von KABINETT Chefredakteurin Elke Dagmar Schneider und Sonderkorrespondentin Dorothea F. Voigtländer.