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01.10.2010

Renaissance am Rhein, Superfranzösisch und mehr: Sehenswerte Ausstellungen


Umkreis Joos van Cleve: Tripychon mit thronender Madonna und Heiligen um 1525/30, Detail des rechten Seitenflügels mit Heiliger Barbara (© LVR-Museumsverbund, Hans-Theo Gerhards)

Deutschlands wahre Kraft und Größe liegt am Rhein…

Die Ausstellung „Renaissance am Rhein“ wird als neuer Epochenbegriff interpretiert
Das Rheinland steht bei dieser Ausstellung im Mittelpunkt, wie es sich mit einer rheinischen Kulturgeschichte zur besonderen Identität entwickelte, ebenso wie die Menschen, die Rheinländer, in einem Zeitraum von 1450 bis 1600. Es geht um einen weit gefassten historischen Zeitabschnitt und nicht nur um die Charakterisierung eines künstlerischen Stils.

Das ist neu bei dieser Ausstellung im Landesmuseum Bonn mit dem LVR - Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte Neuland am europäischen Strom, vom Zufluss der Mosel bis zum Niederrhein. So wird erstmalig das spannende Panorama von Kunst und Kultur der Renaissance am Rhein mit einzigartigen Exponaten dargestellt, wobei der Begriff „Renaissance“ über die künstlerisch stilistische Bedeutung hinauswächst zu einem Epochenbegriff einer kulturellen, politischen und sozialen Erneuerungsbewegung jener Zeit im Rheinland.

Eine spannende Zeit des Humanismus, der die rheinische Kulturgeschichte im Zentrum Europas einzigartig durchdringt. Die gezeigten Kunstwerke werden als historische Fakten verstanden, sie werden zu Formen der Kommunikation und Träger politischer und sozialer Inhalte. Das macht diese Ausstellung so prall für Geschichts- und Kunstliebhaber und aktuell bis in die Gegenwart: Kunstwerke der Renaissance am Rhein mit Gemälden, Bildteppichen, Skulpturen und Kupferstichen. Architektur, Musik und Literatur werden durch diese Ausstellung in ihrem historischen Kontext verständlich.

Es war die Zeit der Konflikte um Reformation und Gegenreformation, neue Weltteile wurden entdeckt, der Buchdruck machte die schnelle Verbreitung von Informationen möglich, die Zeitung wurde geboren. Religionskriege und einschneidende historische Ereignisse werden mit dieser „Renaissance am Rhein“ deutlich in einer Umbruchszeit mit ähnlichen Herausforderungen wie heute.

Präsentiert werden 350 Exponate von über 120 Leihgebern aus dem In- und Ausland, wie dem Louvre in Paris, der Albertina und dem Kunsthistorischen Museum Wien oder dem Victoria & Albert Museum in London. Durch neue audio-visuelle Medien werden Geschichte, Kunst und Kultur der Renaissance am Rhein verständlich für den Besucher, am Rhein mit seinen Kunstwerken, Erfindungen und Entdeckungen mit den Menschen, die hier lebten, Fürsten, Gelehrte, Künstler, Bürger und Bauern.

Das lange 16. Jahrhundert am Rhein ist plötzlich wieder da, jener „Aufbruch in eine neue Zeit“. Und wie wichtig es war und ist, das schreibt die Schwester des damaligen großen Kaisers Karl V., Maria wobei  Köln als dichtes urbanes Kommunikationszentrum anschaulich herausragt.

Eine prachtvolle Attraktion ist, neben einer CD mit bisher unveröffentlichter Musik der Renaissance  aus dem Rheinland, ein umfangreicher Katalog von 540 Seiten in Bildern und Text, Cantz Verlag,  39,80 Euro (im Buchhandel), 39,80 Euro (in der Ausstellung mit CD).

Bis 6. Februar 2011: www.landesmuseum-bonn.lvr.de

Dorothea F. Voigtländer