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01.10.2010

Verleihung der „Goldenen Nase“ an Modeschöpferin Mahi Degenring


Mahi Degenring

„Wie immer hat die Jury auch in diesem Jahr wieder mit der Auswahl der Preisträgerin ins Schwarze getroffen!“ Mit diesen Worten begrüßte die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen die vielen Gäste, die am 14. September 2010 ins Hotel Adlon in Berlin gekommen waren. Alle wollten bei der Auszeichnung der Mode-Designerin Mahi Degenring dabei sein, die an diesem Abend mit einem der begehrtesten Modepreise der Stadt geehrt wurde.

Seit 1976 geht „Die Goldene Nase“ an eine Persönlichkeit, die entweder durch kreatives Wirken in der Modestadt hervorsticht oder die durch Verdienste um die Modestadt Berlin hervorgetreten ist. Und sie muss gezeigt haben, dass sie – wie Mahi Degenring - mit ihrem außergewöhnlich erfolgreichen Unternehmenskonzept in der Modebranche den „richtigen Riecher“ hatte. Den hat die Designerin aus Nümbrecht allein schon mit ihrer Entscheidung bewiesen, im Jahr 2005 neben Köln und Düsseldorf auch in Berlin ihre Mode zu präsentieren.

Dass sie sich dann auch noch im Hotel Adlon Kempinski, an historischer Stelle der Hauptstadt in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor niedergelassen hat, war eine ihrer vielen genialen Ideen. Jetzt belegen die Degenring-Modelle in der Hotel-Passage mit ihren noblen Luxusgütern gut die Hälfte der gesamten Verkaufsfläche. „Seitdem stehen Stammkunden aus der internationalen Gästeschar des Hotels, aus den benachbarten Botschaften und Regierungsstellen, aus Kulturprominenz und mit anspruchsvollen Shopping-Touristen zunehmend zahlreicher in den Kundenbüchern der Degenring-Couture“, so Ruth Haber in ihrer Laudatio.

„Mahi Degenring vereint Kreativität im Umgang mit Farben, Stoffen und Zubehör mit Professionalität und wirtschaftlichem Erfolg. Sie verkörpert damit die Mischung, die wir uns für die Modewirtschaft in Berlin wünschen“, lobte auch die Berliner Senatsverwaltung. Die Kreativität sei heute die Stärke Berlins, produziert aber würde meistens woanders. Mahi Degenring hingegen verkörpere eine Unternehmerin, wie sie sich Berlin noch viel mehr wünscht. Die Stadt ist mit Recht stolz auf die Präsenz des Labels „Mahi Degenring Couture“, das der Haute Couture alle Ehre macht. Denn Haute Couture bedeutet „gehobene Schneiderei“.

Alle von Mahi Degenring entworfenen Modelle sind maßgeschneiderte Unikate, die oft Jahrzehnte lang getragen werden. Und Degenrings Haute-Couture-Modelle sind zwar Kunstwerke, aber sie werden nicht für  Ausstellungen und Museen angefertigt. Denn der größte Wunsch der Modeschöpferin ist es, dass sich ihre Kundinnen in ihrer Kleidung wohl fühlen und sie wie eine zweite Haut tragen. Die Kundinnen „schätzen die breite Auswahl kostbarer Materialien, das Design einer eher zeitlosen Eleganz, die zu repräsentieren hat, den femininen Chic für Frauen jeder Generation, ob mit normaler oder Problem-Figur“, so Ruth Haber. Ändert sich die Mode oder die Figur der Frau, arbeitet Mahi Degenring die wertvollen Kleidungsstücke um.

Ruth Haber (Jahrgang 1924) ist selbst ein Stück Berliner Modegeschichte und eine der besten Kennerinnen der Berliner und der deutschen Modeszene. Sie hat noch die Berliner Salons miterlebt und ist Expertin für die Geschichte des Modestandorts Berlin, die im Jahr 1836 mit der serienmäßigen Herstellung von Kleidungsstücken begann. Ihre Blütezeit erlebte die Berliner Textilindustrie in den 20er Jahren. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blühte die Mode sofort wieder auf. In dieser Aufbruchsstimmung leitete Ruth Haber die Mode¬redaktion der Fachzeitschrift Textil-Report. Von dort aus berichtete sie mehr als zehn Jahre über die Berliner In Modeszene und war anschließend als freie Journalistin für verschiedene Zeitschriften tätig. Der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 hat die Stadt schwer getroffen, und viele Berliner Modefirmen wanderten in den Westen ab. Mitte der 70er-Jahre kam die Berliner Mode fast völlig zum Erliegen.  Ruth Haber musste mit ansehen, wie sich 1982 auch der letzte Salon vom Kudamm verabschiedete.

„Ich habe alles dafür getan, die Glut der Tradition nicht ausgehen zu lassen“, so Ruth Haber in einem Interview. „Heute stehen wir da, dass Berlin wieder entdeckt wird als ein kreatives Zentrum, das es nach wie vor ist“, so die Modejournalistin, die selbst am 11. August 2004 für ihre Verdienste um Berlin als Modestandort das Verdienstkreuz am Bande erhielt. Dazu gehört auch der Kritikerpreis von Berliner Modejournalisten „Die Goldene Nase“, den vor Mahi Degenring schon so bekannte Persönlichkeiten wie Uli Richter (1978), Paco Rabanne (1993), Heinz Oestergaard (1992), Vivienne Westwood (1995) und die Direktorin des Kunstgewerbemuseums, Dr. Angela Schönberger, erhalten haben.

Mahi Degenring war an diesem großen Tag nicht allein nach Berlin gekommen. Begleitet wurde sie von ihrer „Fangemeinde“. So bezeichnet sie liebevoll ihre 45 festen Mitarbeiterinnen und Lehrlinge im oberbergischen Nümbrecht. Die geschickten Näherinnen feierten gemeinsam mit den vielen prominenten Gästen aus Berlins Gesellschaft und strahlten, als ihre Chefin den Raum betrat. Denn die Mahi-Degenring-Produktionsstätte ist ein Vorbild für Arbeitsplatzkultur, deren Merkmale Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist sind.

Was das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Great Place to Work Institute Deutschland gerade erst den Unternehmen nahe bringen müssen, wird bei der Mode-Designerin längst praktiziert: Die Arbeitszeiten für die Frauen sind familienfreundlich, Mütter mit kleinen Kindern können auch stundenweise arbeiten, und wenn ein Kind krank ist, dann darf die Mutter selbstverständlich zuhause bleiben. Die Mitarbeiterinnen werden wertgeschätzt und angemessen bezahlt. „Geht es meinen Mitarbeiterinnen gut, geht es auch dem Unternehmen gut“, diese Erkenntnis über die Bedeutung motivierter Mitarbeiter hat viel zum Erfolg des Unternehmens beigetragen und zeigt, dass Mahi Degenring nicht nur eine kreative und phantasievolle Frau ist, sondern eine verantwortungsvolle Arbeitgeberin.

„Ich möchte glücklich machen“, diesen Satz nimmt man Mahi Degenring unbesehen ab, deren persischer Name Mahmonir, „scheinender Mond“, bedeutet. Im Jahr 1951 war sie als jüngstes von sieben Geschwistern in Teheran auf die Welt gekommen, hineingeboren in eine politisch unruhige Zeit. Während Attentate, der Kampf um Erdöl, politische und wirtschaftliche Krisen das Land erschütterten, war das kleine Mädchen fasziniert von Farben und Stoffen.

Schon als Kind suchte Mahi auf dem Bazar in Teheran Stoffe aus, nähte daraus Blusen und verkaufte sie an die Nachbarschaft. Mit zwölf Jahren verließ sie ihr Land und fasste in Deutschland Fuß, wo sie mit 16 Jahren den späteren Vater ihrer beiden Töchter heiratete. Aus dem Orient hat sie die Erinnerung bewahrt an die kunstvollen Muster auf Teppichen und Fliesen, an die bunten Schleier, hinter denen sich Tänzerinnen verbergen, und an das so ganz andere Licht im Land der aufgehenden Sonne.

Aufgeschlossen und wissbegierig erlernte Mahi Degenring als junge Frau das Fotografieren, arbeitete als Mannequin, später als Verkaufsleiterin und Produktmanagerin. Im Jahr 1979 entwickelte sie ihre erste eigene Modelinie und eröffnete fünf Jahre später in Bonn ihr erstes Geschäft. Nach zehn Jahren wechselte sie in einen edlen Modestandort in Köln, im Jahr 2005 übernahm sie in Düsseldorf die namhafte MODE-VILLA. Alle ihre Geschäfte sind hell und weiträumig, damit die edlen Kostüme, Blusen, Ensembles und Abendkleider in ihren Schnitten, Faltenwürfen und vor allem Farben zur Geltung kommen können. Denn die Kundinnen, die sie betrachten, sollen sich in sie verlieben. Wenn sie dann die Wahl ihres Herzens getroffen haben, werden sie von Mahi Degenring beraten. Es geht dabei um viel mehr als um das rein Äußerliche: „Eleganz ist stets mit Wohlgefühl und Natürlichkeit verbunden!“

Dieser Grundsatz der berühmten Coco Chanel ist auch für Mahi Degenring von essentieller Bedeutung. Deshalb folgen dem Verlieben in eines der hochwertigen Modelle das Maßnehmen, die Auswahl von Schnitt, Stoff und Farbe. Die Schneiderinnen passen vorproduzierte Standardstücke nicht an, sie fertigen jedes einzelne Teil vom Zuschnitt bis zur Bügelfalte komplett neu. Die kreative Designerin und ihre Mitarbeiterinnen hätten für ihre Handarbeit nicht nur die „Goldene Nase“, sondern auch die „Goldene Nadel“ verdient!

Zwei exklusive Kollektionen entwirft Mahi Degenring pro Jahr. Hierüber wurde in KABINETT ausführlich berichtet. Eine Modenschau mit Modellen aus den aktuellen Kollektionen schloss sich an die Ehrung der Spitzendesignerin an. Die Kreationen waren für das Auge des Betrachters ein Hochgenuss und ernteten bei den Gästen viel Applaus. Die Modenschau zeigte wieder, wie stilsicher die Kreationen für die unterschiedlichsten Anlässe – vom Geschäftstreffen bis zur Hochzeit - entwickelt wurden.

Degenrings Modelle werden lebendig durch die Frauen, die sie tragen. Sie sind Kunst, aber nicht für das Museum. Degenring holt vielmehr die Kunst aus den Museen und übersetzt Farbkompositionen aus der Malerei in fließende Kleider, deren Sinnlichkeit verzaubert. So wie  Mahi Degenrings bildschöne Tochter Shirin, die als Mannequin die wunderbaren Modelle ihrer Mutter präsentiert. Ästhetik ist international und hat viele Facetten. So stand das ostasiatische Museum Pate für Degenrings außergewöhnliche China Kollektion.

„Ich möchte glücklich machen“, lautet das Programm der Mode-Designerin Mahi Degenring. Das Bewegendste an diesem Abend war, dass es dieses Mal umgekehrt war: Nicht Mahi Degenring war diejenige, die gab, sie wurde beschenkt! Man sah ihr das Glück an, als sie sich mit rührenden Worten bei Ruth Haber, der Jury, ihren Mitarbeiterinnen und all denen bedankte, die sie auf ihrem nicht immer einfachen Aufstieg in der Modebranche begleitet und unterstützt haben. Nicht unerwähnt bleiben sollen das besondere Engagement von Benny Dürr, der für gekonntes Make-up und Frisuren der Mannequins sorgte, sowie Ricardo Steffen, der die Modenschau gekonnt choreographierte. KABINETT wünscht Mahi Degenring weiterhin viel Erfolg, auf dass viele ihrer Mode wegen nach Berlin kommen.

Mahi Degenring Couture
Brückenstraße 17
50667 Köln
Telefon 0221 - 25 75 611