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01.01.2011

Aus Klöckner-Moeller wurde der Global Player Eaton Corporation


Richard Boulter ist seit Juni 2009 Senior Vice President der Industrial Control Division des Eaton EMEA Electrical Sector, mit Sitz in Bonn

Tradition als Verpflichtung, Zukunft  als Aufgabe, Energie für die Welt – der Aufstieg des Bonner Familienunternehmens Klöckner-Moeller zum Global Player Eaton Corporation

Am Anfang war die Firmengründung: 1899 ruft Franz Klöckner in Köln sein Unternehmen zur Herstellung von elektrischen Schaltapparaten ins Leben, das am Griechenmarkt 8 sein erstes Firmendomizil hat. 1910 tritt Hein Moeller als leitender Ingenieur und alleiniger Vorstand in das Unternehmen ein. Was heute von Banken, Krankenkassen und Versicherungen allmählich wieder entdeckt wird, die Dezentralisierung, wurde 1920 bereits erfolgreich von Klöckner praktiziert. Die damals absolut innovative, dezentrale Vertriebsnähe fördert damals wie heute die Kundenbindung.

Zehn Jahre später sind bereits sechs Werke aufgebaut. Ab 1940 beliefert das nun als Klöckner-Moeller firmierende Unternehmen den Fachgroßhandel mit Schaltgeräten. 1946 wechselt der Firmensitz ins benachbarte Bonn. Anfang der 50-er Jahre erwirtschaften 1500 Mitarbeiter einen Umsatz von 30 Millionen Mark, die Firma expandiert nach Belgien und wird in den nächsten Jahren in 42 Ländern weltweit präsent.

Der Aufstieg der Traditionsfirma als einem der bedeutendsten Bonner Unternehmen ist unaufhaltsam: 1960 gibt es bereits 2800 Mitarbeiter, der Umsatz beläuft sich auf 100 Millionen Mark, Tochtergesellschaften in Südafrika und der Schweiz werden gegründet.

1999, zum hundertjährigen Jubiläum, wird aus Klöckner-Moeller die Moeller Holding. Das Leistungsspektrum, die Zahl der Mitarbeiter und nicht zuletzt der Umsatz haben sich um ein Vielfaches multipliziert.

Bis 2005 hat das Familienunternehmen Bestand, dann übernimmt die britische Doughty Hanson & Co. mehrheitlich die Moeller Firmengruppe und verkauft sie im Dezember 2007 für 1,55 Milliarden Euro an den US-amerikanischen Industriekonzern Eaton.

Das ist der bislang größte Zukauf in der Geschichte des Konzerns, der 1911 von Joe R. Eaton als kleine Achsenfirma gegründet wurde, seinen Sitz in Cleveland, Ohio, hat und weltweit rund 70 000 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 11 000 in Europa und rund 2000 im Bereich Elektrotechnik in Deutschland. 2010 wurde ein Umsatz von circa 10 Millionen Euro erwirtschaftet. Der amerikanische Mischkonzern ist neben der Elektroniksparte auch vielgefragter Zulieferer für die Automobil- und Luftfahrtindustrie. Kraftstoffversorgung-, Hydraulik- und Pneumatiksysteme von Eaton werden kommerziell wie militärisch in der Luftfahrt eingesetzt, energiesparende und vor allem sichere Antriebssysteme führen die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie erfolgreich in die kommenden Jahre.

Der Standort Bonn mit einem Logistikzentrum in Meckenheim (190 Mitarbeiter, sechs Azubis) ist auch 2011 für den Global Player Eaton von großer Bedeutung. Er ist Hauptsitz für zwei von fünf Geschäftsbereichen des Electrical Sector und Entwicklungszentrum für IEC Schaltgeräte und Automatisierung.

Das Mitarbeiterprofil ist facettenreich: Ingenieure, Entwickler und Techniker (60 %), Betriebswirtschaftler, Produktmanager, Marketingexperten, Vertriebsfachleute und kaufmännische Angestellte sorgen für reibungslose Arbeitsabläufe und Entwicklung elektronischer und elektromechanischer Produkte, sind Garant für beste Qualität und pflegen internationale Kontakte.
Besonderen Stellenwert hat das weltweit anerkannte, unabhängige Prüflabor I2PS. Elektrotechnische Produkte werden auf ihre Zuverlässigkeit und Beständigkeit unter extremen Bedingungen wie Hitze, Kälte und Feuchtigkeit getestet.

Waren es 2008 noch rund 550 Mitarbeiter, so sind es jetzt bereits mehr als 700. Die Tendenz ist steigend. Auch für den Nachwuchs wird vorbildlich gesorgt: derzeit werden in Bonn 35 Auszubildende und zehn Studenten beschäftigt, bundesweit sind es 120 Auszubildende. Eaton bietet berufsbegleitende, duale Studiengänge in den Bereichen Elektrotechnik, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen an.

Besonders in den Ingenieurberufen werden ständig Nachwuchskräfte gesucht, gerne auch solche weiblichen Geschlechts. Dadurch versucht man, den auch bei Eaton bereits spürbaren Fachkräftemangel auszugleichen.

Der Bonner Eaton Showroom präsentiert auf einigen hundert Quadratmetern nach Anwendungsbereichen gegliedert eine breite Produktpalette wie Fotovoltaik und Smart Wire DT, das kostenoptimiert und zukunftsorientiert aus Standardschaltgeräten kommunikationsfähige Teilnehmer macht.

Eaton Bonn arbeitet eng mit der Fachhochschule Bonn-Rhein/Sieg zusammen und kooperiert mit der privaten Fachhochschule für Ökonomie und Management in Köln.

Eatons Geschäftsbereich Electrical ist globaler Marktführer in elektrischer Steuerung, Stromverteilung und unterbrechungsfreier Stromversorgung.

Das Produktspektrum umfasst Marken wie Cutler-Hammer, MGE Office Protective Systems, Powerware, Holec, MEM, Santak und Moeller. Kundennähe wird groß geschrieben – die „PowerChain Management“-Lösungen sind zugeschnitten auf die weltweiten Märkte sicherer und problemfreier Strom- und Energieversorgung in Industrie, Verwaltung und Informationstechnologie. Im Fokus sind außerdem Wind- und Solarenergie, Elektromobilität und Überwachungsanlagen für Privathaus und Industrieanlage.

Die Eaton-„Buzzer“ hielten spektakulär Einzug in TV-Shows und in James Camerons aufwendigen Film „Avatar“.

Im Jahr 2010 betrug der Umsatz der Eaton Corporation als Spezialist für globales Energiemanagement 13,7 Milliarden US-Dollar. Außerhalb Amerikas waren es rund zwei Milliarden Euro, wobei die frühere Moeller-Gruppe in den Bilanzen nicht mehr gesondert aufgeführt wird.
Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise konnten in den fünf deutschen Werken durch Kurzarbeit überraschend schnell überwunden werden, so der Geschäftsführer der Bonner Niederlassung, Richard Boulter. Mitarbeiter mussten nicht entlassen werden. Die Geschäfte laufen nun sogar besser als vor den weltwirtschaftlichen Umwälzungen. Der Aufschwung muss hier nicht mehr herbei geredet werden, er ist offensichtlich angekommen. Im laufenden Jahr sollen aus 10,8 Prozent Umsatzrendite der Eaton-Sparte Elektronik runde zwölf Prozent werden. Besonders die Sparte erneuerbare Energien wachse stark, erklärt Boulter.

Im November 2008 übernahm der gebürtige Waliser als Chief Executive Officer die Führungsaufgaben des Geschäftsfeldes Eaton Moeller von seinem Vorgänger, dem österreichischen Topmanager Theo Kubat. 2007 war Boulter von Siemens, wo er 15 Jahre in verschiedenen Positionen in der Geschäftsführung und im Vertrieb in Deutschland, den USA und in China (er hat Kenntnisse in Mandarin) tätig war, zu Eaton gewechselt. Der Vater von zwei Kindern, der über einen Abschluss der britischen Universität Loughborough in Elektronik und Elektrotechnik verfügt, bringt viel Erfahrung im Bereich Stromversorgung und –verteilung mit und kennt die lokalen Märkte in Deutschland und Europa aus dem Effeff. Der Senior Vice President und General Manager des Eaton Bereichs Power Components and System Business für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika ist der richtige Mann am richtigen Ort und nimmt die Herausforderung, die Ziele des Konzerns hinsichtlich Qualitätssteigerung, Kundenzufriedenheit und Wachstum zu verwirklichen, engagiert an. Dass er, der fließend Deutsch spricht, sich in der liebenswerten Bundesstadt am Rhein und ihren attraktiven Naherholungsgebieten wohlfühlt, freut nicht nur Lokalpatrioten.

Es ist offenkundig: Eaton, der amerikanische Multikonzern, und Moeller, das deutsche Familienunternehmen, passen hervorragend zusammen und harmonieren miteinander. Dass der Name Klöckner-Moeller an Bedeutung verliert, liegt in der Natur der Sache und im Wandel der Zeit begründet. Tradition ist der Vergangenheit verpflichtet, Innovation der Zukunft. Technologien wachsen zusammen und bringen zusammen, die Welt wird kleiner. Die Eaton Corporation, die in diesem Jahr ihr Hundertjähriges feiert, steht für die gelungene und erfolgreiche Synthese von Altbewährtem, das geschätzt wird, und Neuem, das nicht Vision bleibt, sondern bei immer größeren globalen Herausforderungen realer Nutzen für Millionen Menschen weltweit wird.