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01.01.2011

Napoleon, Afropolis, Mayerhofer, Mohr: Kunst- und Kulturkaleidoskop


Nach Francois-Pascal-Simon Baron Gérard (1770–1837) Napoleon I., Kaiser der Franzosen, im Krönungsornat um 1810 (© Napoleonmuseum Thurgau)

Napoleon und Europa – Traum oder Trauma – in der Bundeskunsthalle

Er war begeistert, er bewunderte ihn, denn die kometenhaft steile Karriere  Napoleon Bonapartes in Europa schien kein Ende zu nehmen, und so widmete Bonns großer Musikersohn Ludwig van Beethoven ihm seine 3. Sinfonie in Es-Dur, seine „Sinfonia grande, intitolata Bonaparte“, die „Eroica“. Neue soziale und geografische Mobilität mit neuen Freiheitsideen durch Gesetzgebung schuf dieser triumphale Herrscher, der mit seiner Grande Armée in Europa Sieg auf Sieg feierte. Doch diese Faszination brach für Beethoven, als er erfuhr, dass Napoleon sich in Paris am 2. Dezember 1804 selbst zum Kaiser gekrönt hatte.  Da strich er wutentbrannt diese Widmung aus, was heute noch auf dem Partiturmanuskript zu erkennen ist.

Da war der Traum für Beethoven ausgeträumt, und auch für Napoleon sollte sich später der Herrschertraum in ein Trauma verwandeln. Doch Beethovens Geburtsstadt Bonn hatte noch Glück gehabt mit Napoleon, der wenige Wochen vorher, am 16./17. September 1804, die jubelnde Bevölkerung in Bonn besuchte, durch Triumphbögen mit seiner Frau Josephine ritt, während die Glocken aller Kirchen zur Begrüßung läuteten. Während der sporterprobte Napoleon mit scharfem Ritt die Umgebung Bonns erkundete, endete für den ihn begleitenden Bonner Unterpräfekten Johann Joseph Eichhoff der Tag mit einer Blamage, denn bei dem wilden Ritt des Kaisers fiel er am Kreuzberghang vom Pferd. Bei seinem zweiten Besuch in Bonn am 6. November 1811 prüfte Napoleon nochmals vom Finkenberg aus die Möglichkeit, Bonn zu befestigen, was zum Glück für die Bonner nicht geschah.

Nun weilt er bis zum 25. April 2011 wieder in Bonn mit einer spektakulären Schau von Leihgaben aus ganz Europa, auch vom Bonner Stadtarchiv, mit der erstmals die positiven und negativen Auswirkungen jener napoleonischen Machpolitik für ganz Europa beleuchtet werden. Ziel dieser Ausstellung „Traum oder Trauma“ in der Bundeskunsthalle ist es, ein differenziertes Panorama der napoleonischen Ära anhand von gut 400 Exponaten zu zeigen. Die Zeit um die schillernde Persönlichkeit Napoleons wird in zwölf Kapiteln interpretiert: die Zeit der Kriege, der Politik, Verwaltung, Propaganda, Kunstblüte und Kunstraub. Nachhaltig hat die Persönlichkeit Napoleon (1769-1821) das politische Gesicht Europas wie keine andere seit Karl dem Großen geprägt.

Bis in die heutige Zeit beschäftigt der Kaiser der Franzosen die Gemüter, erklärte bei der Eröffnung der Ausstellung der Leiter der Napoleongedenkstätte des Musée de L’Armée im Invalidendom in Paris, wo Napoleons letzte Ruhestätte ist: Le Général Robert Bresse. Er lobte die Ausstellungskuratorin Bénédicte Savoy (Professorin in Berlin), der es gelungen sei, erstmals die neue Sicht des Napoleonbildes zu verdeutlichen.

Und Beethoven kam doch noch zum Zuge. Seine 9. Sinfonie mit dem Text von Friedrich von Schiller wurde die Europahymne: „Freude, schöner Götterfunken“.
                                                                                                                                                                  Dorothea F. Voigtländer