Nachrichten > Heftarchiv > Heftarchiv 2011
01.10.2011

Der Kölner Dom im Wandel der Zeit


Abenteuer Kölner Dom – eine unendliche Geschichte

Er ist das Herzstück der Stadt Köln am Rhein, der Dom, und die Kölner nennen ihre Stadt „die Himmelsstadt am Rhein“, zeigt doch der Dom weit hinauf in den Himmel. Unter den großen Kirchen der Welt verkörpert der Kölner Dom den Typus der hochgotischen Kathedralen am reinsten und vollkommensten. Er ist mit seiner Höhe von 157,38 Metern nach dem Ulmer Münster das zweithöchste Kirchengebäude Europas sowie das drittgrößte der Welt.

Der Dom beherbergt eine Fülle bedeutender Kunstwerke: die farbigen Glasmalereien, das ottonische Gero Kreuz (970 n. Chr.), die älteste Großplastik des Abendlandes, den Dreikönigsschrein (1180-1225), ein überragendes Werk der rheinmaasländischen Goldschmiedekunst, der Altar der Stadtpatrone (um 1450) von Stephan Lochner, das Meisterwerk der Kölner Malschule und das Orgelensemble. Darum sehen Kunsthistoriker im Kölner Dom eine einmalige Harmonisierung sämtlicher Bauelemente. Im Herzen der Stadt dominiert das geliebte Wahrzeichen von Köln wie ein gigantischer Wächter.

Es gab nur einen Vorgängerbau, den Hildebold-Dom, als  Karl der Große (742-814) im Jahre 785 das Erzbistum Köln gründete und damit der Kölner Erzbischof einer der mächtigsten Feudalherren im Heiligen Römischen Reich wurde.

Als der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel am 23. Juli 1164 die Reliquien der Heiligen drei Könige  von Mailand nach Köln mitgebracht hatte, ein Geschenk Kaiser Friedrichs I. an seinen Reichskanzler aus dessen Kriegsbeute,  wurde der Pilgerstrom zu diesen Reliquien immer größer, so dass der Plan für einen Dombau reifte. Im Jahre 1248 wurde der Grundstein am 15. August nach den Plänen des Dombaumeisters Gerhard von Rile gelegt. Baumaterial fand sich im Siebengebirge südlich von Bonn: Trachyt. Vorbild war die Kathedrale von Amiens. 1322 wurde der Chor eingeweiht und die Reliquien der Heiligen Drei Könige hierher in den Dreikönigsschrein aus der Werkstadt des Goldschmiedes Nikolaus von Verdun, überführt.

In späterer Zeit nahm die Bautätigkeit aus ungeklärten Gründen ab und kam schließlich ganz zum Erliegen. Dann rissen die Wirren der Reformation auch Köln in ihren Strudel, obwohl viele Pilger zum Kölner Dreikönigsschrein wallfahrteten, in dem neben den Gebeinen von Caspar, Melchior und Balthasar auch die Reliquien der Heiligen Felix, Nabor und Gregor von Spoleto ruhen.

Ab dann beherrschte eine riesige Bauruine über 300 Jahre das Stadtbild. Ironisch meinten die Kölner: „Wenn der Dom einmal fertig ist, dann geht die Welt unter“. Als dann 1794 französische Revolutionstruppen das Rheinland besetzten, suchte man im Bauhüttenarchiv vergebens nach den mittelalterlichen Bauplänen. Sie waren verschwunden. Eine fieberhafte Suche begann, denn der Dom sollte endlich weiter gebaut werden. Bei Dacharbeiten im „Gasthof zur Traube“ bei Darmstadt wurde 1814 ein Teil der Pläne von einem Zimmerpolier entdeckt. Der Rest der Pläne fand sich auf Betreiben von Sulpiz Boisserée in Paris. Ein wahrer Krimi.

Als dann jener Boisserée und viele Kölner Bürger den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. um die Erlaubnis einer Vereinsgründung zum Weiterbau des Domes baten, stiftete der jährlich 10.000 Taler, das sind heute ungefähr 1,5 Millionen Euro, für den Weiterbau des Domes. Der Zentral-Dombau-Verein zu Köln (ZDV) hatte das einzige Ziel: den Kölner Dom, der seit 1530 halbfertig dastand, endlich zu vollenden – und danach für alle Zukunft zu erhalten. 1842 wurde eine zweite Grundsteinlegung gefeiert.

Als dann nach 500 Jahren der alte Baukran verschwand, wurde am 15. Oktober 1880 die Vollendung des Dombaus im Beisein des Kaisers Wilhelm I. von Preußen gefeiert. Doch die Probleme ließen den Kölner Dom nicht los. Die Wirtschaftssituation während der Zeit des Ersten und dann die Bomben während des Zweiten Weltkrieges haben ihm nicht gut getan. Dennoch wurde und wird die populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands vom ZDV und von dem Geld engagierter Bürger repariert und weitergebaut.

Das Wunderwerk „Kölner Dom“ blieb auch den Verantwortlichen für die UNESCO-Welterbestätten nicht verborgen. So wurde der Dom vor 15 Jahren (1996) in die Welterbeliste eingetragen. Doch 2004 gab es Aufregung,  als erstmals eine Welterbestätte in Gefahr geriet, auf die sogenannte „rote Liste“ gesetzt zu werden. Grund war „die Gefährdung der visuellen Integrität des Doms und der einzigartigen Kölner Stadtsilhouette durch geplante Hochhausbauten auf der dem Dom gegenüberliegenden Rheinseite in Deutz“. Nach hitzigen Debatten einigte man sich, und nach zwei Jahren konnte der Dom 2006 wieder aus der „roten Liste“ gestrichen werden.

Ende gut, alles gut? Nicht ganz, denn die Baugeschichte des Doms nimmt kein Ende, immer wieder muss am Dom gesichert, gebaut und repariert werden. Der Dombauverein hat eine Menge zu tun. Bis unter den Dom, wo Reste römischer Wohnhäuer, Überreste eines frühchristlichen Baptisteriums und ein achteckiges Taufbecken Blicke in die Vergangenheit erlauben.

Die Kölner wissen, Hilfe erhalten sie von „oben“, denn die Kirchenpatrone halten ihre schützenden Hände über den Dom: Simon Petrus und Maria, die Mutter Jesu, Patrone in einer römisch-katholischen Kirche, eine Kathedrale der Erzdiözese Köln: der offizielle Name: Hohe Domkirche St. Peter und Maria. Die Kölner Bürger verbindet eine tiefe emotionale Bindung zu „ihrem Dom“, dem „Dom zu Kölle“. 

Dorothea F. Voigtländer