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Enorme Sogwirkung

Eine gewisse Unschärfe ist den Bildern von Eric Peters eigen. Sie erzeugt, oder verlangt, vom Betrachter mindestens einen zweiten Blick auf seine Motive. Eine Sogwirkung ist unausweichlich. Zu sehen sind rund 25 des in Aachen lebenden Künstlers noch bis zum 24. Juli im Eupener Museum für Zeitgenössische Kunst, Ikob — einer Kulturstätte in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, die neben einem Supermarkt beheimatet ist: Kunst neben Kommerz, mitten im Alltag zwangloser geht es nicht.


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„The Good, the Bad and the Ugly” heißt dieses Bild (links) von Eric Peters aus jüngster Arbeit. Neben Putin ein Bär. Alles klar? © Frank Fäller

Wir müssen neu nachdenken, wenn wir in der großzügigen Ausstellung, die auch Gemälde von über 3 mal 4 Meter zeigen kann, bekannten Gesichtern wie Putin, Beuys oder Mao begegnen. Auf den ersten Blick scheint alles klar, doch bei genauem Hinsehen erkennen wir die gewollte Unschärfe —  als Stilmittel, denn herausragend Malen, das kann Peters ohne Zweifel. Daher müsse man die Unschärfe im philosophischen Sinne verstehen, sagte Museumsdirektor Frank-Thorsten Moll bei der Vernissage vor vollem Haus.


Eric Peters lässt sich nicht in ein bestimmtes Sujet pressen: „Beglückend“, findet er das. © Frank Fäller

„Was können wir nicht erklären, oder was suchen wir? Unschärfe existiere in dieser Welt, zum Beispiel in Form einer zeitlichen und räumlichen Hyperkomplexität, die unsere Gesellschaften mehr und mehr verunsichere. Mit seinen Gemälden kreise er um die Geheimnisse der Schöpfung und analysiert die menschliche Psyche mit ihren verschiedenen Schichten und Überlagerungen, erläuterte Moll.

Anders formuliert ist es also lohnenswert, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Nehmen wir das ikonische Porträt Putins und lesen den Titel, den Peters einem seiner jüngsten Bilder verliehen hat. Es heißt in seiner Vielschichtigkeit, dargestellt mittels Bildüberlagerungen,   bezeichnenderweise: „The Good, the Bad and the Ugly“. Daneben hängt ein Bär. Putin, unberechenbar wie ein (russischer) Bär. Um die Ecke Mao und ein Panda. Alles klar? Aus vielen Blickwinkeln öffnen sich neue Perspektiven für die Besucher. Für (umwelt)politische, handwerklich-malerisch oder auch kunsthistorisch interessierte Beobachter, für jedermann.


Ikob-Direktor Frank-Thorsten Moll
eröffnete kurzweilig die Ausstellung, Maler Eric Peters steht vor einem seiner riesigen Gemälde namens „Kaiserwalzer“. © Frank Fäller

Stillleben, Porträt, Tierdarstellung und Kosmologie sind Peters bevorzugten Bildthemen, mit deren kunsthistorischer Aufladung er gekonnt zu jonglieren versteht. Wo anfangs die Komposition durch die Kreisform bestimmt wurde, setzt er jetzt auf das Prinzip der mehrfachen Überlagerung –  der Superposition. Auch mythologische Tierfiguren wirken  daher leicht verzerrt. Die daraus resultierende Unsicherheit führt er bewusst herbei.  

Auch hier ist sie wieder: die enorme Sogwirkung. Sie resultiert auch aus der Verschiedenheit der Werke, die jedes Mal neu fordern, aber sich nicht in ein bestimmtes Sujet pressen lassen. Das schmeckt dem Künstler, der national wie  international große Anerkennung findet:  „Ich genieße diese Freiheit in meiner Malerei“, sagt Peters, „und auch den Gedanken, dass sich alle, denen meine Malerei gefällt, auch dieser Freiheit erfreuen können.“  Frei sein - wie die kleinen Buddhas, die auf unerklärliche Weise in manchen Bildern auftauchen ...

Bekanntes Gesicht — und bewusste Unschärfe. Besucher bestaunen auch die Maltechnik.  © Frank Fäller

Hereinspaziert: Das Ikob kennt keine Scheu und verblüfft, einmal innen angekommen, mit moderner Schlichtheit, die genügend  Raum für die beeindruckenden Arbeiten Peters lässt. Auf die Freiheit!
(Frank Fäller)