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HangarBicocca präsentiert Double Bind & Around - die große Ausstellung ist Juan Muñoz gewidmet, einem führenden Vertreter der zeitgenössischen Kunst.

Die von Vicente Todolí kuratierte Werkschau im HangarBicocca zeigt 15 grundlegende Arbeiten des Künstlers, der sich selbst als Geschichtenerzähler bezeichnete. Nach 14 Jahren wird Double Bind, seine wichtigste und größte Arbeit, erstmals wieder ausgestellt. Der Künstler schuf sie 2001, kurz vor seinem Tod, für das Tate Modern in London. 9. April – 23. August 2015 Eröffnung: 8. April 2015, 19.00 Uhr


Juan Muñoz, Double Bind, 2001 (Detail). Tate Modern, London, 2001. Photo © Attilio Maranzano. Courtesy Juan Muñoz Estate, Madrid

Juan Muñoz, Double Bind, 2001 (Detail). Tate Modern, London, 2001. Photo © Attilio Maranzano. Courtesy Juan Muñoz Estate, Madrid

HangarBicocca, das von Pirelli geförderte Museum für zeitgenössische Kunst in Mailand, präsentiert Double Bind & Around, die erste Juan Muñoz gewidmete Einzelausstellung in Italien. Kurator ist Vicente Todolí.

Die Ausstellung erstreckt sich über 5.300 Quadratmeter in der Halle und den Gängen des HangarBicocca und präsentiert 15 Werke (darin enthalten über 100 Skulpturen) eines der wichtigsten Künstlers unserer Zeit. Sie enthält seine bedeutendsten Arbeiten, darunter The Wasteland (1986), Waste Land (1986), Ventriloquist Looking at a Double Interior (1988 - 2000), Conversation Piece, Dublin (1994), The Nature of Visual Illusion (1994-1997) und Many Times (1999).

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet die bekannteste Komposition des spanischen Künstlers, Double Bind. Er schuf die Installation 2001 für die Turbinenhalle in der Tate Gallery of Modern Art in London, das weltweit größte Museum für moderne Kunst. Im HangarBicocca ist das Werk nun erstmals wieder zu sehen.

Von Fachleuten als einzigartiger und einer der komplexesten zeitgenössischen Künstler gepriesen, sah sich Juan Muñoz eher als Geschichtenerzähler.

Muñoz zählt zu den bedeutendsten spanischen Künstlern, die das Land nach dem Ende der Franco-Diktatur hervorbrachte. Der Visionär rückte die menschliche Gestalt ins Zentrum seiner künstlerischen Arbeit. An verfremdeten Schauplätzen und in fiktionalen Welten erscheinen bizarren Figuren wie Akrobaten, Bauchredner, Ballerinen und einsame Zwerge, die Anlass für zahllose Geschichten bieten.
"Die Skulptur verdreht den Raum, den sie einnimmt, sie presst ihn in seiner gesamten Ausdehnung von den Ecken in die Mitte, wie ein in der Luft flatterndes Blatt, bevor es auf die Tischplatte fällt" (aus Juan Muñoz, "Writings/Escritos", herausgegeben von Adrian Searle, Ediciones de la Central, Madrid 2009).

Fasziniert von römischen Statuen und der Barock-Architektur des 17. Jahrhunderts (1991 lebte er ein Jahr in Rom), erkundete Juan Muñoz intensiv die Beziehung zwischen der menschlichen Gestalt und dem Raum, in dem sie dargestellt oder präsentiert wird. Er schuf neue Wege, um Räume zu verzerren und zu deformieren. Dafür nutzte er gewagte Perspektiven und spielte mit den Proportionen. Sein Ziel war es nicht nur, die Wahrnehmung und die Sinne der Betrachter zu fesseln. Darüber hinaus wollte er in den Personen, die sich mit seinen Werken befassen, psychologische Spannungen erzeugen.

Sein Interesse für die Kunst der Illusion führte dazu, dass er in seinen Werken im besonderen Maße Mehrdeutigkeiten, Rätsel und Mysterien vermittelte, in denen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Auf diese Weise schuf er ein immer komplexeres Spiel der Widersprüche und Paradoxien.

Im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung beschäftigte sich Juan Muñoz immer eingehender mit den Gefühlen und Stimmungen der Menschen und den psychologischen Reaktionen, die seine Werke in den Betrachtern auslösten. Dazu nutzte er vielfältige künstlerische Ausdrucksformen: Skulpturen, Architektur, Zeichnungen, Installationen, Klänge und Texte. Darüber hinaus finden sich in seinen Arbeiten Verweise auf das Kino, die Fotokunst und die Zauberei.

Die große Installation Double Bind ist die bedeutendste Arbeit des spanischen Bildhauers, der 2001 im Alter von 48 Jahren starb. Erst wenige Monate zuvor war sie in der Turbinenhalle der Tate Gallery of Modern Art als Teil der Unilever Serie ausgestellt worden (London, 2001). Seither wurde sie nicht mehr rekonstruiert.

„Im HangarBicocca kann Double Bind ab dem 08. April 2015 wieder betrachtet werden. Die Arbeit nimmt eine Fläche von 1.500 Quadratmetern ein und nutzt dabei die enorme Höhe des ehemaligen Industrie-Gebäudes. Die Installation besteht aus drei Etagen und zwei sich permanent bewegenden Aufzügen. Sie bildet ein Labyrinth mit versteckten Figuren in sich plötzlich öffnenden Räumen. Den Betrachter erwartet eine Reihe dunkler Szenarien, deren architektonische Elemente mit dem Kontrast zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, der Realität und der Illusion spielen. Vom Obergeschoss blickt er über eine Fläche aus geometrischen Formen. Diese Fläche weist Löcher und Schächte auf, die real oder eine Täuschung sein können. Im Zwischengeschoss erscheinen, allein oder in Gruppen, in Posen festgefrorene Figuren, die zu einer unendlichen Raum-Zeit-Dimension gehören. Dazu kreierte Muñoz eine sterile architektonische Welt aus strukturellen Elementen wie vergitterten Fenstern und Eisenzäunen. Auf diese Weise ruft der Künstler im Betrachter den Eindruck hervor, er befände sich in einer Stadt, und nicht in einem Museum“ (aus Double Bind at Tate Modern, Tate Publishing, London 2001).

Die Ausstellung Double Bind & Around füllt den kompletten HangarBicocca und vereint einige der wichtigsten Werke von Juan Muñoz, darunter The Wasteland (1986), dessen Boden aus farbigen geometrischen Mustern besteht, während die Attrappe eines Bauredners auf einem Regal sitzt. In Waste Land (1986) befindet sich der Bauchredner an einer Wand über einem rein visuellen Fußboden. Many Times (1999) besteht aus einer im Raum verteilten Menschenmenge, deren Figuren orientalische Merkmale sowie ein sarkastisches Grinsen aufweisen.

Zudem sind einige der so genannten Conversation Pieces aus den frühen 1990er Jahren zu sehen. Sie bestehen aus anonymen Figuren, platziert in gleichförmigen exemplarischen Räumen. Die Figuren, deren Gestalt vage an Menschen erinnert, haben statt Beine sphärische Gebilde. Jede Figur nimmt seinen Raum in einer anderen Pose ein. Sie unterhalten sich über Dinge, betrachten oder hören auf Ereignisse, die für den Betrachter nicht wahrnehmbar sind und ihm daher unbegreiflich bleiben. Die Figuren in Hanging Figures (1997) werden in absurden Posen gezeigt, während sie wie Akrobaten durch die Lüfte fliegen. Diese Arbeit wurde von Miss La La at the Cirque Fernando ispiriert, ein Meisterwerk von Edgar Degas aus dem Jahre 1879. Das Gemälde zeigt aus gewagter Perspektive einen Akrobaten von unten.

Juan Muñoz (1953 - 2001)

Juan Muñoz wurde als zweites von den sieben Kindern seiner Eltern in Madrid geboren. Aufgewachsen in der Zeit des Franco-Regimes, verließ er Spanien 1976 und zog nach England. In London besuchte er bis 1977 die Central School of Art and Design. Dort lernte er seine spätere Frau kennen, die Künstlerin Cristina Iglesias. 1979 wechselte Muñoz durch ein Stipendium des British Council für ein Jahr an das Croydon College of Design and Technology im Londoner Stadtbezirk Croydon. Während seiner Karriere kam er mit zahlreichen Künstlern zusammen, darunter Richard Serra und Mario Merz. Obwohl er die Strömungen des Minimalismus und der Arte Povera kannte, entschied er sich für die entgegengesetzte Richtung und entwickelte eine Kunstform, die in der zeitgenössischen Bildhauerkunst einzigartig ist.
In erster Linie für seine Skulpturen aus Pappmaché, Harz und Bronze bekannt, widmete sich Juan Muñoz auch der Klangkunst, komponierte Stücke und arbeitete mit Musikern und Schauspielern an Sound Collagen. Einige davon werden im HangarBicocca zu hören sein. Darüber hinaus schrieb Muñoz zahlreiche Beiträge, die in Ausstellungskatalogen, Zeitungen und Magazinen veröffentlicht wurden, darunter Domus und Figura.

Führende Kunsthäuser veranstalteten Retrospektiven zu seinen Ehren, so Hirshhorn Museum & Sculpture Garden, Washington DC (2001), Museum of Contemporary Art, Los Angeles (2002), The Art Institute of Chicago (2002), Contemporary Arts Museum, Houston (2003), Musée de Grenoble, Grenoble (2007), Tate Modern, Londra (2008) und Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid (2009).
Das Ausstellungsprogramm des HangarBicocca  Double Bind & Around ist Teil des Ausstellungs-Programms, das der künstlerische Leiter Vicente Todolí gemeinsam mit dem Kurator Andrea Lissoni entwickelte. Im Jahr 2015 werden im HangarBicocca noch die Ausstellungen von Damián Ortega (11. Juni bis 8. November 2015) und von Philippe Parreno (Oktober 2015 bis Februar 2016) zu sehen sein.
HangaBicocca und Pirelli .

Mit der Förderung des HangarBicocca setzt Pirelli die über 140 Jahre alte Tradition des Unternehmens fort, sich in den Bereichen Kultur, Forschung und Innovationen zu engagieren. Im Mailänder Stadtbezirk Bicocca, einst großer Industriekomplex, ließ das Unternehmen einen rund 180 Meter langen Hangar renovieren und in ein Kunstzentrum ausbauen, ohne den rauen Charme der Werksarchitektur zu opfern. Kontinuierlich von der Pirelli Stiftung gefördert, entwickelte sich der HangarBicocca dank spektakulärer Ausstellungen in kürzester Zeit zum wichtigsten Kunstzentrum Norditaliens und ist Kunst- und Kulturfreunden weit über die Grenzen des Landes hinaus ein Begriff. Dank der Unterstützung von Pirelli ist der HangarBicocca in der Lage, freien Zugang zu exklusiven Ausstellungen und Live-Events zu bieten sowie zahlreiche Aktivitäten für Kinder und Familien zu veranstalten.

Institution:

HangarBicocca

Künstler:

Juan Muñoz

Titel:
Double Bind & Around
Kurator:
Vicente Todolí
Dauer der Ausstellung:
9. April 23. August 2015
Eröffnung:
8. April 2015, 19.00 Uhr
Hauptsponsor:
Pirelli
Adresse:
Via Chiese 2, Mailand
Öffnungszeiten:
Donnerstag - Sonntag, 11.00 - 23.00 Uhr
Eintritt:
Frei
Workshops:
An jedem Wochenende für Kinder (11.15 - 15.30 Uhr)
Informationen
Tel.: +39-0266111573/

info@hangarbicocca.org / www.hangarbicocca.org