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Stadt Rheinbach – Glasmuseum

Einen Tag nach der feierlichen Ausstellungseröffnung mit 39 Schülerarbeiten aus neun europäischen Glasfachschulen trat die Fachjury am 22. Juni 2015 im Glaspavillon „Hans-Schmitz-Haus“ zusammen, um über die Vergabe der Preise 1-3 zu beraten.


v. l.n.re. neben Museumsleiterin  Dr. Ruth Fabritius:  Dr. Jaroslav Polanecky, Susanne Jøker Johnsen, Uta Laurén, Anne Vanlatum und Thierry Boissel. Foto: Georg Linden, Rheinbach

v. l.n.re. neben Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius: Dr. Jaroslav Polanecky, Susanne Jøker Johnsen, Uta Laurén, Anne Vanlatum und Thierry Boissel. Foto: Georg Linden, Rheinbach

Die Wettbewerbsarbeiten waren anonymisiert, nur ihre Titel waren den Juroren bekannt, da sie für das künstlerische Konzept relevant sind. Die Chefkustodin des Finnischen Nationalmuseums Riihimäki Uta Laurén, die dänische Künstlerin und Dozentin Susanne Jøker Johnsen (Mitglied des Coburger Glaspreises 2014), die künstlerische Direktorin des nordfranzösichen Glasmuseums und -ateliers Sars-Poteries Anne Vanlatum,  der Leiter der Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik der Akademie der Bildenden Künste München Thiery Boissel und der Stellvertretende Dekan der Kunst- und Design-Akademie in Usti nad Labem / Aussig (CZ) Dr. Jaroslaw Polenecky kamen ihrer Aufgabe mit Freude und Engagement nach. Den eingereichten Wettbewerbsarbeiten bescheinigten sie große Energie und würdigten die Ernsthaftigkeit der Bemühung um ein Höchstmaß an Qualität. Die Vielfalt der verwendeten Techniken wurde positiv registriert wie auch der Bezug zur Glastradition in den jeweiligen Ländern. Die Jury möchte die Teilnehmer ausdrücklich ermutigen, die zeitgenössische „Glassprache“ aufzugreifen. Sie erkennt großes Entwicklungspotenzial und ist gespannt, wie sich die „Glaskarrieren“ entwickeln werden. Die Jury betonte, dass die europäische „Glaswelt“ nicht nur kreative Künstler benötigt, sondern auch exzellente Kunsthandwerker, die in der Lage sind, künstlerische Konzepte umzusetzen. Daher sei es zu begrüßen, dass die europäischen Glasfachschulen ein so breites Spektrum abdecken.

Der erste Preis wurde der Rheinbacher Schülerin Tanja Niemann für ihre Arbeit „Verbindung“ zugesprochen, die durch künstlerischen Ausdruck und Poesie überzeugte. Für die inhaltliche Vielschichtigkeit wurden ausgesprochen glasadäquate Umsetzungsformen gefunden.

Die drei Schalen „Bowls of Nature“ von Christina Kargl (Glasfachschule Zwiesel), die eher dem Design- als dem Kunstbereich zuzuordnen sind, überzeugen durch hohe handwerkliche Qualität und durch ein tiefgreifendes Verständnis des Materials. Traditionelle Formen und Veredlungstechniken erfahren eine zeitgemäße Interpretation.

Dies gilt auch für die Karaffen- und Schalenform des Sake-Services von Barbora Panochová aus Kamenicky Senov/Steinschönau. Feinheit und Qualität der Emailmalerei beindruckten die Jury.

Mit den drei Belobigungen möchte die Jury vor allem experimentelle Ansätze würdigen. Sandra Antonia Stangier, die sich mit der Pâte-de-Verre-Skulptur „Durchblick“ am Wettbewerb beteiligt, sollte die Potenziale der 3D-Technik unbedingt weiter verfolgen und an der Finesse der Formgebung arbeiten. Xenia Kuruschinas Mixed-media-Objekt „WeltUm“, vermittelt eine wichtige Botschaft zur Problematik von Re- und Upcycling sowie der Schonung von Ressourcen. Sie wird ermuntert, ihren künstlerischen Ansatz weiter zu entwickeln. In den beiden aufgetriebenen Gefäßen, deren organisch aufgebautes Innenleben ihre praktische Nutzbarkeit ironisch ad absurdum führt, erreicht Markus Marschmann interessante Materialeffekte.

1.    Preis (1.000 €)
Tanja Niemann: Verbindung
Fusing, Biegen, Sandstrahl, UV-Verklebung
Staatliches Berufskolleg Glas, Keramik, Gestaltung des Landes NRW, Rheinbach (D);
Klasse Stephan Muders, Sabina Ramershoven


Fusing, Biegen, Sandstrahl, UV-Verklebung, Staatliches Berufskolleg Glas, Keramik, Gestaltung des Landes NRW, Rheinbach (D); Klasse Stephan Muders, Sabina Ramershoven


2.    Preis (750 €)
Christina Kargl: Bowls of Nature
Drei Schalen, Außenüberfang geschliffen, Facettenschliff, Hohlschliff, „Battuto“-Technik, Mattierungstechniken
Glasfachschule Zwiesel (D), Klasse Gunther Furth


Drei Schalen, Außenüberfang geschliffen, Facettenschliff, Hohlschliff, „Battuto“-Technik, Mattierungstechniken, Glasfachschule Zwiesel (D), Klasse Gunther Fruth


3.    Preis (500 €)
Barbora Panochová: Sake-Service
Karaffe und Schälchen mit Emailmalerei
Glaskunstfachschule Kamenický Šenov / Steinschönau (CZ), Klasse Petr Menš


Karaffe und Schälchen mit Emailmalerei, Glaskunstfachschule Kamenický Šenov / Steinschönau (CZ), Klasse Petr Menš


Weiterhin vergab die Jury drei (nicht dotierte) Belobigungen:

Sandra Antonia Stangier: Durchblick
Skulptur: Form 3D-gescannt, 3D gedruckt, mit Silikon abgeformt, aus Pâte-de-verre geschmolzen
Staatliches Berufskolleg Glas, Keramik, Gestaltung des Landes NRW, Rheinbach (D); Klasse Georg Linden

Xenia Kuruschina: „WeltUm“
Fusing, Biegen, Montage von Plastikmüll
Staatliches Berufskolleg Glas, Keramik, Gestaltung des Landes NRW, Rheinbach (D);
Klasse Stephan Muders, Sabina Ramershoven

Markus Marschmann: „Out of Order“
Zwei aufgetriebene Gefäße mit organisch aufgebautem Innenleben
Glasfachschule Zwiesel, Klasse Herr Fischer
Bis zum 1. September 2015 besteht die Gelegenheit, für den mit 1.000 € dotierten Publikumspreis „Alexandra Bruns“ unter www.glaskunstpreis.com oder www.glaskunstpreis-rheinbach.de abzustimmen.

Dr. Ruth Fabritius
Glasmuseum Rheinbach
Himmeroder Wall 6
53359 Rheinbach
www.glasmuseum-rheinbach.de