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Erde an Weltall: Astronaut und Wissenschaftler Thomas Reiter ist immer an Bord

Zum dritten Mal ist im Krönungssaal des Rathauses der Aachener Ingenieurpreis verliehen worden. Die Stadt Aachen hat erkannt, dass sich Zukunftsfragen unvermeidlich mit Forschung und Wissenschaft verbinden. Preisträger ist der deutsche Astronaut und Ingenieur Dr. Thomas Reiter.


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Ingenieurpreisträger Dr. Thomas Reiter mit Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipps (li.) und dem Rektor der RWTH Aachen, Professor Ernst Schmachtenberg (re.). © Andreas Schmitter

Ein Astronaut ist pers se ein besonderer Mensch, unter 40.000 Bewerbern hat sich Reiter seinerzeit durchgesetzt. Der weltweit anerkannte Wissenschaftler symbolisiere wie kaum ein anderer deutscher Ingenieur den Aufbruch in neue ferne Welten. „Der 58-Jährige versteht es, das Abenteuer Forschung mit großer Begeisterung anschaulich zu vermitteln“, betonte Schmachtenberg während des stimmungsvollen Festakts. Damit sei Reiter ein großes Vorbild für junge Menschen, erklärte der Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure VDI, Professor Udo Ungeheuer.  


Ein Preis braucht auch Sponsoren.  
Auf der Rathaustreppe vor dem Festakt (v. li.):  RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg, VDI-Präsident Professor Udo Ungeheuer, Sparkassen-Vorstand Dr. Christian Burmester, Preisträger Dr. Thomas Reiter und Oberbürgermeister Marcel Philipp. © Frank Fäller

Und die Begeisterung für den Aufbruch in ferne Welten kann niemand anders als der Preisträger selbst besser vermitteln. „Es geht immer um Grundlagenforschung und um die Grenzen von Machbarkeit“, sagte Thomas Reiter. Machbarkeit unter technischen Aspekten, aber auch unter der Prämisse politischer Rahmenbedingungen. „Es geht um Kooperationen jenseits irdischer Krisen, wenn etwa Russen und Amerikaner gemeinsam ins All fliegen. Deutschland ist mit an Bord.“  Weiter sagte Reiter: „Bei der Raumfahrt geht es in erster Linie darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen, damit wir unser Leben auf der Erde verbessern und die Umwelt verstehen“, erklärte Reiter. Stichwort Klimaforschung.

Völkerverständigung ist ein Nutzen der Raumfahrt

Letztlich sei Raumfahrt auch ein Beitrag zur Völkerverständigung. „Faszination, Innovation und Motivation“, das ist Reiters Gedankenkette, die sich buchstäblich unendlich wie das Universum mühelos weiterstricken ließe. So viele spannende Geschichten, nunmehr irdisch, treiben den Wissenschaftler Reiter – und den Wissenschaftsstandort Aachen an. Da passt es ausgezeichnet, dass die Stadt Aachen ein Wissenschaftsjahr namens „Future Lab“ ins Leben gerufen hat. Vielfältig und bürgernah.  Kunst und Kultur verschmelzen mit dem Thema Wissenschaft. Prof. Hans-Werner Huppertz von der Musikhochschule Aachen stimmte auf der Gitarre virtuos ein ....

Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner, Generaldirektor der European Space Agency (ESA), würdigte in der Laudatio seinen Freund und engen Mitarbeiter Thomas Reiter für dessen Pionier- und Entdeckergeist. Bravo: ein gelungene und unterhaltsame Präsentation, die sowohl Fakten und wie Unterhaltung bot, so macht Wissenschaft Spaß. Weiter sagte Wörner:  Zu Beginn der Raumfahrt – mitten im kalten Krieg – sei es noch um einen Wettlauf im Weltall gegangen, das „Race in Space“. Heute gebe es internationale Zusammenarbeit mit dem Ziel, neue Welten zu erkunden. Reiter stehe für diesen Paradigmenwechsel in der Raumfahrt.

Auf der Suche nach der Anti-Materie

Der Preisträger zeigte sich „überwältigt“. Er wolle den Preis auch stellvertretend für seine vielen Astronauten-Kollegen annehmen, von denen Reinhold Ewald und Gerhard Thiele unter den rund 180 geladenen Gästen im Aachener Rathaus weilten. „Die RWTH ist eine der bedeutendsten Hochschulen Deutschlands. Hier erhalten Ingenieure das nötige Werkzeug und die Ausbildung, um Entwicklungen nicht nur in der Raumfahrt voranzutreiben“, sagte Reiter. Es gebe mit dem Alpha-Magnet-Spektrometer beispielsweise eine sehr bekannte und eindrucksvolle Beteiligung der RWTH an der Raumfahrt. Das Messgerät an Bord der Internationalen Raumstation ISS soll helfen, Anti-Materie aufzuspüren und Aufschluss über die Entstehung des Weltalls geben.

Das Publikum nahm der Preisträger, der selbst 350 Tage und damit mehr Zeit als jeder andere europäische Astronaut im All verbrachte, mit auf eine spannende Reise ins Weltall. Er habe auf seinen Missionen ein umfangreiches wissenschaftliches Programm in den Bereichen Materialwissenschaften,  Geologie oder Medizin absolviert, unter anderem mit dem Ziel, den Ursachen für Osteoporose, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf die Spur zu kommen.

Mit dem Aachener Ingenieurpreis werden – mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Aachen als Hauptsponsor und des Vereins Deutscher Ingenieure VDI als Preisstifter – Menschen ausgezeichnet, die mit ihrem Schaffen einen maßgeblichen Beitrag zur positiven Wahrnehmung oder Weiterentwicklung des Ingenieurwesens geleistet haben. Und nicht zuletzt Ingenieure, die die nachwachsende Generation inspirieren, so wie dies die bisherigen Preisträger Professor Berthold Leibinger, Gesellschafter der TRUMPF GmbH + Co. KG, Professor Franz Pischinger, Gründer der Aachener FEV Motorentechnik GmbH, und nun eben Dr. Thomas Reiter machen.
(Frank Fäller)