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Binnenschifffahrt: Gefahrgutexperten trafen sich in Bonn

Alle Jahre wieder treffen sich die Gefahrgutexperten der Binnenschifffahrt aus Europa, um über Fragen des Transports gefährlicher Güter zu diskutieren. Diesmal traf man sich im Bonner Hilton, in Sichtweite des Rheins, der zurzeit Niedrigwasser führt. Es gab viele Themen, angefangen von der Beseitigung gefährlicher Abfälle, die an Bord angefallen sind, bis hin zur Fortentwicklung der Gefahrgutvorschriften und Politik in der Binnenschifffahrt.


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Das Trio Klaus Ridder, Maria Jenssen (SV-Veranstaltungen) und Hendrik Lorenz (Consultants Binnenschifffahrt) leiteten den Kongress. © Klaus Ridder

Die Binnenschifffahrts-Gefahrgut-Tage tragen seit 26 Jahren dazu bei, dass alle, die sich mit dem Transport gefährlicher Güter beschäftigen - Reeder, Verlader, Klassifikationsgesellschaften, Wasserschutzpolizei -  zusammenkommen, um gemeinsam über anstehende Sicherheitsfragen zu diskutieren.Daraus ist eine große ‚Gefahrgut-Familie‘ geworden, die gemeinsam das Ziel hat, unabhängig von der jeweiligen Ausgangsposition, die Binnenschifffahrt mit gefährlichen Gütern noch sicherer zu machen.

Immer mehr Doppelhüllenschiffe sind im Einsatz: Vorbeifahrt eines Gefahrguttankers am Hilton-Hotel.  © Klaus Ridder

Insbesondere auf dem Rhein wurde ein Sicherheitsstandard erreicht, der führend in der Welt sein dürfte. Das muss auch so bleiben, weil der Rhein durch dichtbesiedelte Großstädte fließt und das Rheinwasser mehrere Male als Trinkwasser verwendet wird. Die europäischen Gefahrgutvorschriften (ein Übereinkommen mit der Bezeichnung ADN, Accor Dangerous Navigation, das in 18 Staaten Europas auf Binnenwasserstraßen gilt), stellt hohe Anforderungen sowohl an die Technik der Schiffe als auch an die Ausbildung der Schiffsführer. So begann man 1986 mit der Entwicklung von sog. ‚Doppelhüllenschiffen‘, wo zwischen Schiffsaußenwand und Tankwand ein Zwischenraum von mindestens 80 cm sein muss. Mittlerweile fahren auf dem Rhein über 800 Doppelhüllenschiffe,  und es werden immer mehr. Es ist nicht nur der Gesetzgeber, der hohe Anforderungen stellt, sondern auch die verladende Industrie. Man möchte eine sichere Transsportdienstleistung haben und fordert von den Reedern oft mehr als der Gesetzgeber.

Aus Rotterdam angereist war Theresia Hacksteiner. Sie ist Generalsekretärin der Europäischen Binnenschifffahrts Union (EBU) und vertritt die internationale Binnenschifffahrt im allgemeinen, juristischen, wirtschaftlichen und technischen Bereich in Bezug auf Behörden, europäischen Institutionen, Flusskommissionen und vor allem bei der Europäischen Kommission.

In der Binnenschifffahrt werden jährlich 500 Mill.Tonnen an Gütern befördert. Europa hat ein leistungsfähiges Wasserstraßennetz mit 36000 km Wasserstraßen.und verfügt über eine leistungsfähige Binnenflotte von 20000 Schiffseinheiten. Die Binnenschifffahrt verfügt noch über freie Kapazitäten. Allerdings appellierte die Generalsekretärin der EBU auch an die Politik, den Ausbau von Binnenwasserstraßen weiter zu fördern. Sie sprach dabei insbesondere vom Ausbau der Elbe und Donau. Auch wurde die ausreichende Einbindung der Wasserstraßen in multimodale Korridore gefordert.

Aussteller Mijan Maiberger zeigt eine Flammendurchschlagsicherung. © Klaus Ridder

Interessant auch der Vortrag von Polizeihauptkommissar Reinhard Brockmann von der Wasserschutzpolizei (WSP) Köln. Brockmann ist Spezialist für die Überwachung von Gefahrguttransporten und in einer Ermittlungsgruppe gefährliche Güter/Umweltschutz tätig. Neu ist seit 2015, dass die Ermittlungsgruppe Köln nicht nur Anzeigen erstattet, sondern auch bei den Betreibern von Verladeanlagen präventiv tätig ist. 2015 wurden 15 Vorträge in Firmen gehalten und, wie ein Teilnehmer aus einer Raffinerie in Wesseling bestätigte, kommen die Vorträge der WSP gut an.

Interessant auch die Anmerkung von Brockmann, dass praktisch alle Gefahrgutschiffe ständig unter Beobachtung stehen und durchschnittlich einmal im Monat überwacht werden. Bei Verdacht auf Verstöße auch öfter. Hierzu ist zu bemerken, dass die Verlader noch ein ‚eigenes‘ Überwachungssystem (EBIS – European Barge Inspection System) auf europäischer Ebene in Anspruch nehmen, um eine möglichst hohe Transportsicherheit zu erreichen.

Langsam voran kommt  ein Abfallübereinkommen namens CDNI: Es ist zwar schon seit Jahren in Kraft, aber bei der Umsetzung gibt es noch Probleme, an denen gearbeitet wird. Es wird schon bald alles besser, so Erwin Spitzer, Geschäftsführer des Bilgenentölungsverbandes und Tankschiffsexperte beim Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Die Abfallübereinkommen gibt den Schiffsführern die Möglichkeit und verpflichtet sie sogar dazu, Abfälle immer bestimmungsgemäß an dafür neu eingerichtete Stellen abzugeben. Finanziert wird alles durch einen Aufschlag auf den Treibstoff, den ein Schiff verbraucht.

Ins Leben gerufen wurden die Binnenschifffahrts-Gefahrguttage vor 26 Jahren von Dipl.-Ing. Klaus Ridder (heute Siegburg). Ridder war viele Jahre Vorsitzender von Arbeitsgruppen in Genf und Straßburg, die die Gefahrgutvorschriften fortentwickelten. Er hat über die Gefahrgutschifffahrt viele Bücher herausgegeben und Vorträge darüber in aller Welt gehalten. Erstmals bekam er in diesem Jahr Unterstützung bei der Leitung dieses internationalen Kongresses von Kapitän Hendrik Lorenz aus Duisburg.

Übrigens, der Termin für die 28. Binnenschifffahrts-Gefahrgut-Tage steht auch schon fest: Man will sich am 17.und 18.Oktober 2017 in Antwerpen treffen.